Marcus Tullius Cicero wurde am 3. Jänner 106 v. Chr. in Arpinum am Liris geboren. Sein Vater gehörte dem Ritterstande an. Gemeinsam mit seinem Bruder genoss er zunächst in Rom eine sorgfältige Erziehung, wobei der große Redner L. Licinius Crassus und der Jurist Q. Mucius Scaevola seine wichtigsten Lehrer waren. Nachdem Cicero im Bundesgenossenkrieg seinen ersten Militärdienst geleistet hatte, widmete er sich während des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla weiteren rhetorischen, juridischen und philosophischen Studien. Unter Sullas Diktatur (82-79 v. Chr.) feierte Cicero seine ersten großen Erfolge als Anwalt und avancierte zu einem einflussreichen Juristen. Von 79-77 v. Chr. unternahm er eine ausgedehnte Bildungsreise nach Griechenland, studierte Philosophie in Athen und Rhetorik auf Rhodos beim berühmten Redner Apollonios Molon.

Von 76-63 v. Chr. begann für Cicero ein starker politischer Aufstieg; 75 v. Chr. bekleidete er das erste wesentliche Amt (Quaestur, Finanzverwaltung, von West-Sizilien). Er bekämpfte in dieser Funktion erfolgreich die Korruption, sein Hauptgegner war der Statthalter C. Verres, den er im Prozess besiegte, sodass dieser in die Verbannung geschickt wurde; dadurch gewann Cicero weiter an Macht, Ansehen und Einfluss. Im Jahr 68 v. Chr. wurde Cicero kurulischer Aedil (Aufsicht über die staatlichen Spiele), 66 v. Chr. Praetor (Gerichtsvorsitzender) und war somit nur noch einen Schritt vom höchsten Amt, dem Konsulat, entfernt. Er gewann als Praetor die Gunst von Pompeius, der zu den mächtigsten Männern in Rom zählte. 63 v. Chr. war Cicero am Ziel und wurde zum Konsul ernannt, besonders stolz war er, ein homo novus zu sein (d.h. er stammte aus keiner politisch einflussreichen gens), und dass er alle Ämter suo anno (dh zum frühest möglichen Zeitpunkt) bekleidete. Cicero hatte als Konsul bedeutende Gegner, war andauernden Angriffen der popularen (Vertreter der "Volkspartei") ausgesetzt. Seine wichtigste Leistung als Konsul war die Aufdeckung und Zerschlagung der Verschwörung des Catilina. Dessen Putschversuch wurde niedergeschlagen, Cicero als Retter des Vaterlandes (pater patriae) gefeiert.

Ab 62 v. Chr., in den auf das Konsulat folgenden Jahren, schwand Ciceros Einfluss auf die Politik im selben Maß wie Caesar und Pompeius immer mehr an Macht gewannen. Durch das 1. Triumvirat zwischen Caesar, Pompeius und Crassus (60 v. Chr.) geriet Cicero immer mehr in eine verhängnisvolle Isolation, sein heftigster Gegner zu dieser Zeit war der Volkstribun Clodius. Cicero musste schlussendlich ins Exil nach Nordgriechenland und Dyrrhachium flüchten, litt darunter sehr, wurde jedoch 57 v. Chr. ehrenvoll nach Rom zurückgerufen. Politischen Einfluss hatte er aber keinen mehr, nun widmete er sich völlig seinem Leben als Schriftsteller.

Im Jahr 52 v. Chr. wurde Clodius, der große Widersacher von Cicero, ermordet. Cicero übernahm die Verteidigung der Angeklagten und verlor diesen Prozess. Auf Vorschlag von Pompeius ging Cicero im Jahr darauf als Prokonsul nach Kleinasien. Bei seiner Rückkehr stand der Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar unmittelbar bevor. Cicero wollte vermitteln, scheiterte, und entschied schließlich, sich Pompeius anzuschließen. Nach dessen Niederlage im Jahr 48 v. Chr. ging Cicero nach Brundisium, wo er von Caesar mit großer Freundlichkeit behandelt und begnadigt wurde.

Trotz Caesars Großzügigkeit fand Cicero die nun folgenden Jahre unter Caesars Alleinherrschaft äußerst bedrückend. Cicero forderte Caesar beharrlich auf, die "res publica" wieder einzuführen und verärgerte diesen damit immer mehr. Durch den Tod seiner geliebten Tochter Tullia 45 v. Chr. wurde Cicero schwer getroffen, er widmete sich fortan mehr als je zuvor seinen schriftstellerischen Werken.

Als Caesar am 15. März 44 v. Chr. ermordet wurde, sah Cicero eine Chance, die Republik alten Stils aufzurichten. Er griff nochmals in die Politik ein und wollte Marcus Antonius, in dem er einen skrupellosen Machtmenschen sah, zum Staatsfeind erklären lassen. Dieser Kampf gegen Antonius kostete Cicero das Leben: nachdem Antonius mit Octavianus und Lepidus das sogenannte 2. Triumvirat geschlossen hatte, ließ er als ersten Namen den Ciceros auf die Proskriptionslisten setzen, wodurch Cicero öffentlich geächtet war und als vogelfrei galt. Auf der Flucht wurde Cicero am 7. Dezember 43 v. Chr. auf seinem Landgut Formianum in der Nähe von Rom von einer Bande des Antonius eingeholt und auf barbarische Weise ermordet.

Beispiel einer Rede Cicero's

Bis heute gelten die Reden gegen Catilina als Beispiel für vollendete Rhetorik:
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Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? Quamdiu etiam furor iste tuus nos eludet? quem ad finem sese effrenata iactabit audacia? Nihilne te nocturnum praesidium Palatii, nihil urbis vigiliae, nihil timor populi, nihil concursus bonorum omnium, nihil hic munitissimus habendi senatus locus, nihil horum ora vultusque moverunt?

Patere tua consilia non sentis, constrictam iam horum omnium scientia teneri coniurationem tuam non vides? Quid proxima, quid superiore nocte egeris, ubi fueris, quos convocaveris, quid consilii ceperis, quem nostrum ignorare arbitraris?

O tempora, o mores! Senatus haec intellegit, consul videt; hic tamen vivit. Vivit? Immo vero etiam in senatum venit, fit publici consilii particeps, notat et designat oculis ad caedem unum quemque nostrum. Nos autem fortes viri satis facere rei publicae videmur, si istius furorem ac tela vitamus. Ad mortem te, Catilina, duci iussu consulis iam pridem oportebat, in te conferri pestem, quam tu in nos omnes iam diu machinaris.