Warum dient uns Cicero als Vorbild ?

Sein Wirken als Eklektiker („Auswähler“) ist in der Unternehmensberatung bzw. Informationstechnologie zu Beginn des 21. Jahrhunderts nachahmenswert. Sehr oft geht es auch heute darum, das Bestehende genau nach Stärken zu analysieren & darauf aufbauend evolutionär konstruktive, praktikable Lösungen zu implementieren. Völlig Neues (theoretische Superlösungen) „zu erfinden“ ist gerade in der Unternehmensberatung oft kontraproduktiv.

Büste Cicero

Wer war Marcus Tullius Cicero ?

M. Tullius Cicero, als Redner bis in die Gegenwart unerreicht, als Staatsmann ehrgeizig, aber letztlich erfolglos, hat als Philosoph & Schriftsteller Beachtliches geleistet.

Zwar ist er, wie alle Römer, auf diesem Gebiet kaum selbst schöpferisch tätig gewesen (im Sinne, dass er ein neues Paradigma erfunden hätte), aber er hat als Eklektiker (wörtlich: „Auswähler“) eine Selektion der wichtigsten philosophischen Lehren der Griechen getroffen, diese mit Beispielen aus Geschichte, Natur & Geisteswelt erläutert & das Latein für philosophische Probleme verwendbar gemacht.

Seine Bedeutung ist daher für die europäische abendländische Kultur heute unbestritten. Philosophen & Theologen der späteren Zeit – namentlich Ambrosius, Augustinus, Anselm von Canterbury & Thomas von Aquin – sind Cicero, der auch in seinen philosophischen Werken um gediegene Sprache bemüht ist, in stilistischer & gedanklicher Hinsicht verpflichtet.

Nicht nur die Schaffung einer lateinischen philosophischen Prosa ist Ciceros Verdienst, sondern auch die Popularisierung philosophischer Probleme im Abendland. Er erweckte das Interesse für Philosophie durch lebendige Darstellung, zahlreiche Beispiele, Zitate & Verse, nicht zuletzt durch die der praktischen römischen Denkweise entsprechende Konzentration des Stoffes auf „praecepta ad bene beateque vivendum“ (Regeln für ein gutes & glückliches Leben).

Ciceros literarisches Schaffen fällt in 3 große Bereiche:

  • seine Reden (über fünfzig davon sind erhalten),

  • seine Sammlungen von Briefen an Freunde & Zeitgenossen,

  • seine staatsphilosophischen, allgemein philosophischen & rhetorischen Werke.

Zu den wichtigsten philosophischen Werken zählen:

  • academica (4 Bücher über Erkenntnistheorie),

  • de finibus bonorum et malorum (5 Bücher über die Lehre von den Werten auf stoischer Grundlage),

  • tusculanae disputationes (5 Bücher über praktische Lebensphilosophie),

  • de natura deorum (3 Bücher über Theologie),

  • de officiis (3 Bücher über ethisches Handeln),

  • de re publica (Fragen der besten Staatsform & der Verwirklichung menschlicher Fähigkeiten in der Gesellschaft),

  • de oratore (Rhetorik).